In der grünen Hölle des Gerardo Sega (B/C)


Via ferrata Gerardo Sega, TrentinoNur wenige Kilometer entfernt von den im Sommer völlig überfüllten Touristenhochburgen am Gardasee befindet sich ein kleines, aber feines Klettersteig-Idyll. Der Sentiero Attrezzato Gerardo Sega führt durch saftige Wälder, malerische Täler und auf ausgesetzten Bändern entlang mächtiger Felswände. Technisch nichts besonderes, landschaftlich jedoch ein absoluter Traum.

Den Gerardo Sega im Etschtal nahe Avio kenne ich nun schon seit einigen Jahren. Genau so lange, wie ich auch mein erstes Klettersteig-Set besitze, um genau zu sein. Denn dieser Steig sollte mein erster Klettersteig überhaupt werden. Zusammen mit einem weiteren geliehenen Set im Gepäck rückten wir an einem heißen Septembertag an, um uns in unser erstes Klettersteig-Abenteuer zu begeben. Wir parkten an der Kapelle Madonna della Neve und folgten dem Weg 652 in das Pian delle Scale, einem tropisch feuchten und im dunklen Schatten der hoch aufragenden Felswände gelegenen Tal.
Via ferrata Gerardo Sega, TrentinoDer Pfad schlängelt sich lange Zeit vermeintlich ziellos durch diese grüne Hölle, bis er auf das lauter werdende Rauschen eines großen Wasserfalls zusteuert. Wenig später standen wir dann am Einstieg unserer ersten Via ferrata. Während wir unsere Ausrüstung anlegten, starrten wir immer wieder ungläubig in die Höhe. Hoch über der Einstiegsleiter ragte eine riesige Felswand empor, die sich in mehreren Hundert Metern Höhe wie ein Dom nach vorne wölbte. Weit oben nisteten Schwalben in kleinsten Löchern und ihr zwitschern hallte von den Felsen zu uns herab. 

Brentabänder und Bauklötze staunen

Via ferrata Gerardo Sega, TrentinoKlettertechnisch nur mäßig schwierig führt die Route zu Beginn über kurze, ausgesetzte Bänder entlang der steilen Felswände. Zugegeben: Damals kannte ich die Brenta noch nicht, doch seit unserer Brentadurchquerung im Sommer 2012 sind die ausgesetzten Bänder rund um den Bocchette-Weg meine erste Assoziation.

Direkt im Anschluss durchstiegen wir ohne Drahtseilsicherung ein kleines Waldstück und querten weitere ausgesetze Grasbänder. So gewannen wir schnell an Höhe und trauten unseren Augen kaum, als wir uns plötzlich auf einem breiten, ungesicherten Band befanden, dass weit oben unter dem Dach des Felsdoms einmal die gesamte Wand in einem großen Rechtsbogen querte. Wir kamen aus dem Staunen fast nicht mehr heraus.

Via ferrata Gerardo Sega, TrentinoDer letzte Teil des Steigs verlangte uns dann doch auch noch kräftemäßig einiges ab. Erst kraxelten wir durch ein Waldstück, dann ging es wieder steil aufwärts zu einem kleinen Felsbalkon, von wo wir erst einmal die malerische Aussicht ins Etschtal genießen konnten und ein kleines Päuschen einlegten. Wir meisterten noch ein paar Aufschwünge und kämpften uns durch teilweise steiles und rutschiges Gelände, bis wir dann völlig unerwartet den Ausstieg erreichten. Zurück ging es dann ganz gemütlich auf alten Schottersträßchen entlang grüner Wiesen und Felder. Keine halbe Stunde später erreichten wir zufrieden verschwitzt den Parkplatz an der verbretterten Kirche Madonna della Neva.

Fazit:

Ein unschwieriger Klettersteig-Traum, der durch seine landschaftliche Vielfalt glänzt und jeden Naturliebhaber zum staunen bringt. Optisch dominiert der eindrucksvolle Felsdom den Steig und setzt ihm seinen Stempel auf. Wer in der Gegend ist, der sollte sich diese sechsstündige Tour auf keinen Fall entgehen lassen.

Eine ausführliche Tourenbeschreibung gibt es auch noch hier.

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Ein Gedanke zu „In der grünen Hölle des Gerardo Sega (B/C)

  1. […] ist schon einige Jahre her, als wir – ganz in der Nähe – unsere erste Klettersteigtour unternahmen. Völlig euphorisiert ging es wenig später nach Hause, um den Daheimgebliebenen […]

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