Grüß Gott am Hausbachfall (C)


Querung - Hausbachfall Klettersteig

Na, Gott sei Dank! Nun hat auch Reit im Winkl seinen eigenen Klettersteig. Lange Zeit mussten die Klettersteiger im Landkreis Traunstein warten, doch nun ist er da, der erste Klettersteig im Chiemgau. Sogar TÜV-geprüft ist er, sicher ist sicher. Hausbachfall-Klettersteig heißt diese oberbayerische Via ferrata und hält, was sie verspricht: stadtnah und touristenfreundlich  führt das Drahtseil – ohne langen Zustieg vom Ort – zielstrebig die Felswände der Hausbachschlucht hinauf. Erst vor wenigen Wochen wurde der Steig eröffnet. Und da wir gerade in der Nähe waren, blieb uns nichts anderes übrig, als „Grüß Gott“ zu sagen.

Drei Tage verbrachten wir am Wilden Kaiser. Es wurde gewandert, fotografiert, interviewt und geschlemmt. Doch das heißgeliebte „Klick“ der Karabiner am Stahlseil blieb aus. Was ein Glück, dass sich ein kleines Zeitfenster öffnete, das wir für eine Tour in die Touristenhochburg Reit im Winkl nutzten. Dort wurde Ende 2012 der Hausbachfall-Steig errichtet und vor wenigen Wochen eröffnet. Nur wenige Gehminuten vom Ortszentrum entfernt, bietet der Steig alles, was sich der touristische Gelegenheits-Klettersteiger wünscht. Eine Eisenleiter, ein durchgängiges Stahlseil, mehrere schwankende Holzbalken, eine Dreiseilbrücke über eine kleine Biotopfläche sowie eine Baumstammbrücke kurz vor dem Ausstieg. Kurzum: Sicherheit, Aussicht, Action.

Wenn die Planken prallen

Wer im Ort einen Parkplatz findet, kann sich freuen. In der grenznahen Touristenhochburg ist das nämlich gar nicht so einfach. Am Festsaal zu halten bietet sich genauso an, wie vor der etwas näheren Edeka-Filiale. Dort darf allerdings nur maximal zwei Stunden geparkt werden. Allerdings ausreichend Zeit für Zustieg, Steig und Rückweg, weshalb wir uns für diese Variante entschieden. Durch den gepflegten Natur-Barfußpfad gelangten wir ziemlich schnell zum Einstieg an einer Brücke über den Hausbach. Die ersten Meter des Steigs führen eine extrem steile Grasrampe hinauf zu den ersten Versicherungen an einer Eisenleiter.

Es folgt eine Querung, ein kurzes Auf und Ab und schon erreicht man die drei schwankenden Holzbalken. Auch für uns ein Novum. Der Letzte ist etwas zurückversetzt und zwingt einen dezent in Rückenlage, weshalb hier etwas mehr Armkraft erforderlich ist. Nach einem flotten Aufschwung und einer leider schon sehr matschigen Gehpassage erreichten wir die kurze Dreiseilleiter, die über eine Biotopfläche führt. Im Bereich des Steigs wächst nämlich so einiges an schützenswertem Grün. Schneeheide-Kiefern, alpiner- und Blaugrasrasen, Felsbaldrian, Silberwurz und wie sie nicht alle heißen. Fast verwunderlich, dass hier überhaupt ein Klettersteig gebaut werden durfte. Doch damit diese Bereiche unversehrt bleiben, wurde ja die Seilbrücke angelegt. Aussteigen ist hier nicht.

Holzabalkenpassage - Hausbachfall Klettersteig

Anschließend schlängelt sich der Steig durch den tiefsten Teil der Schlucht in Richtung Ausstieg hinter einer schmalen Baumstammbrücke. Eine Eckpassage fordert von kleinen Personen noch einmal ein wenig Mut, dann ist es aber auch schon geschafft. Den Baumstamm zu überqueren ist durch ein zusätzlich gespanntes Drahtseil auf Armhöhe kein Problem und so erreichten wir den Ausstieg nach knapp 45 Minuten. Toll ist dann übrigens der Rückweg, der sich auf der gegenüberliegenden Schluchtseite hinunter zum Einstieg beim Barfußpfad schlängelt und einige schöne Aussichtspunkte bietet.

Fazit:

Der Hausbachfall-Klettersteig bei Reit im Winkl ist gerade für Einsteiger und Gelegenheits-Klettersteiger ein Glücksfall. Er hat einige interessante Elemente, wie die Holzbalken oder die Baumstammquerung, eine durchgehende Seilsicherung und keine allzu schweren Kletterpassagen. Daneben ist er (auch im Notfall) vom Ort aus schnell erreichbar und die Route nicht allzu lang. Lange Staus zu Ferienzeiten und an sommerlichen Wochenenden sind daher vorprogrammiert. Wem das nichts ausmacht und nur auf das spontane Klettersteig-Abenteuer im niedrigen bis mittleren Schwierigkeitsbereich aus ist, der ist hier richtig. Für anspruchsvolle und erfahrene Klettersteiger hingegen  lohnt eine längere Anfahrt ausschließlich für den Klettersteig aber nicht wirklich.

Getaggt mit , , , , , , , ,

Ein Gedanke zu „Grüß Gott am Hausbachfall (C)

  1. […] so beliebt geworden? Das mit den vielen „Schnecken“ am Eisen betrifft eigentlich nur Steige mit kurzem Zustieg, also eher die moderne Klettersteiggarten-Variante. An den großen Routen geht’s entschieden […]

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