Mindelheimer Klettersteig: Tagestour über die Schafalpenköpfe (C)



Mindelheimer KlettersteigAm heißesten Tag des Jahres zog es Einheimische und Gäste an die Allgäuer Badeseen und den nahen Bodensee. Wir wollten aber lieber in die Höhe und hofften auf wenig Betrieb am Mindelheimer Klettersteig. 
Obwohl dieser hochgelobte Steig über die 3 Schafalpenköpfe fast vor unserer Haustüre liegt, hatte es mit einer Begehung bislang nicht geklappt. Und auch nach einer nicht geglückten Reservierung auf der Fiderepasshütte sah es so aus, als müsste er erneut warten.

Doch nicht mit uns: Dann eben ohne Übernachtung an einem Tag rauf und wieder runter. Wir packten spontan unser Pepemobil und fuhren noch am Vorabend zu unserem Startpunkt im Kleinwalsertal.

Seltsam, dass ich zuvor nie auf die Idee gekommen bin, den Mindelheimer Klettersteig auch an einem Tag zu machen. In meiner Welt war die Besteigung zwangsläufig mit mindestens einer Hüttenübernachtung auf der Fiderepass- oder der Mindelheimer Hütte verbunden. Doch nachdem die Hüttenwirte auf meine – zugegebenermaßen recht kurzfristigen – Reservierungsanfragen nicht antworteten, kam der Gedanke einer Tagestour auf.

Die Eckdaten waren für eine gemütliche Sonntagstour allerdings knackig: 1.500 Höhenmeter in 3 Stunden rauf, 5 Stunden Klettersteig am Grat und anschließend wieder 900 Höhenmeter Abstieg in 2 Stunden. Macht auf dem Papier ohne Pausen circa 10 Stunden, und das bei über 30° Grad im Schatten. Noch dazu müssten wir zeitig starten, um am Klettersteig nicht im Stau stehen zu müssen. Das hieß also: Oben sein, bevor sich die Hüttengäste in Bewegung setzen.

Zustieg im Morgengrauen

Die Alternative war allerdings Faulenzen am See und das kam mir nicht in die Tüte. Also am Vorabend schnell das Pepemobil gepackt und schon eine Dreiviertelstunde später standen wir am Parkplatz Schwändle bei Mittelberg im Kleinwalsertal. Mit Bergruhe war es allerdings nix, denn nebenan feierte die Kleinwalsertaler Jugend bis spät in die Nacht „Rock am Berg“.

Am nächsten Morgen machten wir zeitig los, um den Aufstieg zur Fiderepasshütte noch bei erträglichen Temperaturen bewältigen zu können. Anfangs war es noch stockdunkel und wir wanderten im Lichtkegel unserer Stirnlampen aufwärts. Erst als wir an der noch schlummernden Fluchtalpe einen kleinen Frühstücksstopp machten, dämmerte es langsam.

Oberhalb der Fluchtalpe wird das Gelände steiler und die Pfade schlängeln sich in engen Kehren durch die alpine und immer baumärmere Landschaft. Wir kamen gut voran, erreichten bald schon das westliche Schotterfeld unterhalb des Fiderepasses und nach insgesamt knapp 3 Stunden zusammen mit mit den ersten Sonnenstrahlen die Fiderepasshütte. Einige Hüttengäste staunten nicht schlecht, als wir die Hütte erreichten, noch bevor sie ihren Morgenkaffee genossen hatten.

Ein kurzes Päuschen war auch uns vergönnt, dann machten wir aber gleich wieder los und folgten dem Zustiegsweg hinauf zur Fiderescharte, wo der Einstieg des Mindelheimer Klettersteigs liegt.

Die Schafalpenköpfe: ein kleines bisschen Brenta im Allgäu

Schon die ersten Kletterstellen machten mir tierischen Spaß und waren ein Vorgeschmack auf die nächsten knap 5 Stunden im Steig. Viele Griffe und Tritte, eine charmante Routenführung und gute Absicherungen bei einem Schwierigkeitsgrad konstant rund um B. Perfekt. Auch die ein oder andere Gruppe, die sich anfangs noch vor uns befand, konnten wir an sicheren Stellen überholen, sodass wir die meiste Zeit völlig alleine waren. In stetigem Auf und Ab folgten wir den Versicherungen entlang des Grats und erreichten schon bald den ersten Schafalpenkopfgipfel.

Klettern mit Steinböcken am Gipfelgrat

Der gesamte Klettersteig entlang des Gipfelgrats folgt dem Grenzverlauf zwischen Österreich und Deutschland. Mehrmals findet man auch Grenzsteine, die einen darauf aufmerksam machen, dass man mit einem Fuß hier, mit dem anderen im Ausland steht. Gepaart mit einigen Treppen, kurzen Gehpassagen und ausgesetzten, aber immer leicht zu bewältigenden Kletterpassagen, führt der Weg hinauf zum Gipfel des zweiten Schafalpenkopfs. Kurz unterhalb des Gipfels bekamen wir dann sogar noch ein tierisches Highlight zu Gesicht: ein ausgewachsener Steinbock räckelte sich in der heißen Augustsonne. Auf dem folgenden Bild ist er zu sehen, allerdings hat er sich sehr gut getarnt.

Steinbock am Mindelheimer Klettersteig

Siehst Du den Steinbock?

Auf Wiedersehen, Waltenberger Haus

Nach einigen Stunden Kletterei erreichten wir den dritten Gipfel, legten eine kurze Rast ein und blickten hinüber zum Allgäuer Hauptkamm mit seinen tollen Gipfeln wie der Mädelgabel, der Trettach oder dem Hohen Licht. Unterhalb der Hochfrottspitze entdeckten wir als kleinen roten Punkt das Waltenberger Haus. Die älteste Hütte des Alpenvereins genoss einen ihrer letzten Tage. Nur wenige Wochen später wurde sie abgerissen und ab der Saison 2017 durch einen Neubau ersetzt. Wir sagten leise adé und kraxelten über den Kemptner Kopf (2191 m), wo der Klettersteig endet.

Abstieg ins Tal

Unterhalb des Ausstiegs führt ein Pfad hinunter zur nahen Mindelheimer Hütte, die in knapp 10 Minuten erreicht werden kann. Da wir aber noch einen satten Abstieg vor uns hatten, ließen wir die Hütte aus und stiegen auf der Nordwestseite des Kemptner Kopfes steil duch ein Schuttkar ab ins Tal.

Radler, Kuchen und später zum See

Nach einer kurzen Rast auf der Fluchtalpe, die wir am frühen Morgen ja bereits kurz besuchten, machten wir uns auf die letzte Stunde Fussmarsch zurück nach Schwendle. Dort wartete in glühender Parkplatzhitze unser treues Pepemobil auf uns. Ziemlich genau 10 Stunden waren wir unterwegs gewesen. Mit Pausen. Na also, geht doch! Glücklich, müde und zufrieden fuhren wir anschließend dann aber doch noch an einen der Allgäuer Badeseen. So ganz ohne Abkühlung ging es bei uns an diesem heißen letzten Sonntag im August 2015 dann doch nicht…

Fazit

Der 1975 von der DAV-Sektion Mindelheim errichtete Klettersteig folgt auf gesamtem Weg über die Schafalpenköpfe dem Grenzverlauf der deutsch-österreichischen Grenze. Die Route über den Gipfelgrat ist sehr abwechslungsreich, gleichzeitig aber auch nie wirklich schwer. Trotzdem kommen dank des Panoramas und der tollen Felswelt, die ein wenig an die Brenta erinnert, auch erfahrene Klettersteiger auf ihre Kosten.

Neben einigen kurzen Treppen, zahlreichen Auf- und Abstiegen erwarten einen auch luftige Querungen im Mittelteil des Steigs sowie durchwegs ein fantastisches Alpenpanorama. In der Regel bietet sich im Vorfeld der Tour eine Übernachtung auf der Fiderepasshütte oder nach der Tour auf der Mindelheimer Hütte an. Allerdings ist der Klettersteig auch als lange Tagestour von Mittelberg aus möglich.

An heißen Sommertagen sollte man aber zeitig aufbrechen, um nicht im Stau stehen zu müssen. Der Klettersteig ist sehr beliebt und wird auch in entgegengesetzter Richtung häufig begangen. Für Einsteiger und Kinder ist der Steig in Begleitung erfahrener Erwachsener gut machbar, allerdings sollte man bedenken, dass auf der 5 stündigen Strecke kein Notabstieg möglich ist.

 

Zur Galerie: Bilder vom Mindelheimer Klettersteig

Die Tour gibt es auch auf meiner interaktiven Klettersteigkarte: Der Mindelheimer Klettersteig mit GPS-Daten, Wegbeschreibung und Fotos

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