Der Fürenwand Klettersteig (C/D): ein heißer Ritt auf steilem Fels


Am Fürenwand KlettersteigSommerzeit, Reisezeit. Für uns bedeutete das: mit dem Pepemobil 10 Tage lang die Schweiz zu erforschen und dabei ein paar interessante Klettersteige machen. Der erste davon war der Fürenwand Klettersteig nahe Engelberg bei Luzern. Ich glaube, an diesem Tag habe ich meine Höhenangst gänzlich verloren. Irgendwo da in einer brütend heißen Steilwand in der Zentralschweiz.

Vom Parkplatz an der Fürenalpbahn bis zum Einstieg am Fuße der Fürenwand liegt nur ein kurzer Marsch. Schnell ist die  Einstiegsleiter erreicht. Doch es bleibt genug Zeit, um die anvisierte Felswand ehrfürchtig zu begutachten. Eine ganz schöne Kraxelei wartete auf uns, realisierten wir dann. Erst recht, als wir hoch oben, kurz vor dem Gipfel den kleinen roten Punkt an einer riesigen Hängebrücke hängen sahen. Schluck. Und das am ersten Tag? Na logo! Mit reichlich Verpflegung im Rucksack machten wir uns auf den Weg in die Höhe.

Blick auf den Fürenwand Klettersteig

Zitterpartie im 1. Abschnitt

Die ersten gut 100 Höhenmeter führt der Klettersteig eine doch recht steile Schräge in der Diretissima hinauf. Viele kurze Eisenstangen wurden hierfür in den Fels gebohrt, die allesamt aber sehr feucht und höllisch rutschig waren. Wir stiegen daher äußerst vorsichtig und langsam auf, abrutschen wollte keiner. Es waren die mulmigsten Minuten der ganzen Tour.

Weiter oben verließ die Route die schattige Rinne nach rechts und verlief weiter steil aufwärts in praller Sonne. Beim Blick ins Tal fiel uns ein rotes Tuch in den Baumwipfeln unter uns auf. Ein Gleitschirmflieger mit einer satten Außenlandung hing irgendwo im Baum. Selbst der Bergwacht-Helikopter kam angeflogen. Wir hofften mal, dass es glimpflich ausgehen würde – es wirkte auch nicht extrem dramatisch – und kletterten weiter. Immer im Blickfeld des mächtigen Titlis, und seinen 3238 Metern.

Doppelt exponiert in Höhe und Hitze

Nach kurzer Rast an einem gemütlichen Bänkchen machten wir uns auf in den zweiten Abschnitt. Auch hier ging es ständig bergauf. Gut, es wollte ja auch eine 600 Meter weiter oben liegende Hütte erreicht werden. Und dort warteten ja auch verlockende Kaltgetränke. Motivation pur in dieser Affenhitze. In der ganzen Welt gehen die Leute bei diesem Wetter ans Wasser, wir mussten ja unbedingt freiwillig in blankem Fels hängen und in der Sonne brutzeln. Die Höhe wurde fast zur Nebensache. Naja, nicht wirklich.

Leiternfinale mit Luft unter den Sohlen

Nach gut 3 Stunden hatten wir schon einen Großteil hinter uns gebracht. Die Stahlseile folgen fast immer einer  recht direkten Route, einige wenige Querungen aber haben es ganz schön in sich. An mehreren Stellen hat man ganz schön Luft unter dem Hintern und der Wind pfeift einem gewaltig um die Ohren. Bergkribbeln. Schöne Momente sind das. Auf die letzte und auch schönste dieser Querungen folgt das große Finale: Eine 40 Meter lange Strickleiter, die mächtig überhängend bis hinauf zum Ausstieg führt.

Diese wackelige Angelegenheit machten wir nacheinander und verließen den Klettersteig oberhalb am Ausstieg auf der Fürenhochflüh. Eine grandiose Klettersteigtour näherte sich dem Ende. Völlig verschwitzt aber wie immer fröhlich gestimmt kraxelten wir noch geschwind weiter und saßen wenig später beim wohlverdienten Gipfelbier auf der Fürenalp (1850 m). Anschließend nahmen wir die Bergbahn und sahen noch einmal die ganze Route aus der Vogelperspektive. Es war wirklich ein heißer Ritt auf steilem Fels.

Fazit:

Der Fürenwand Klettersteig ist ein schwieriger Sportklettersteig in der wunderschönen Zentralschweiz. Die Route führt fast immer äußerst steil und direkt die manchmal senkrechte Fürenwand hinauf. Die beiden Schlüsselstellen liegen zu Beginn und ganz am Ende der Route. Auf den ersten 100 Höhenmetern müssen viele schmale und rutschige Tritte erklettert werden, das Grande Finale ist aber die ca. 40 Meter lange Strickleiter, die einem auch die letzten Reste Höhenangst raubt.

Neben vielen anspruchsvolleren Stellen sind aber auch genug leichtere Passagen dabei. Schöne Rastplätze findet man vor allem gegen Ende der ersten Hälfte einige. Da der Steig gerade im zweiten Abschnitt keinerlei Schattenplätze mehr bietet, sollte man die Sonne bei der Tourenplanung mit einbeziehen. Für Kinder ist der Steig meiner Meinung nach nicht wirklich geeignet, unter anderem weil es auch keinen Notausstieg gibt. Man sollte sich seiner Sache schon sehr sicher sein. Ach ja, fast vergessen: Direkt im Rücken hat man die ganze Zeit den massiven Titlis (3238 m) und auch rund herum gibt es Gletscher, schroffe Felsen und ein tiefes, grünes Bergtal zu genießen.

Zur Galerie: Bilder vom Fürenwand Klettersteig

Die Tour gibt es auch auf meiner Klettersteigkarte: Der Fürenwand – Klettersteig mit GPS-Daten, Wegbeschreibung und Foto

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Ein Gedanke zu „Der Fürenwand Klettersteig (C/D): ein heißer Ritt auf steilem Fels

  1. bergkraxler7 sagt:

    sehr schöner Bericht. Ich kriege schon weiche Knie, bei den Bildern. Ich kämpfe immer mit meiner Höhenangst. lg Bernd

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